(M)ein Gedanke für den Tag

Für alle, die Urlaub zu Hause verbringen (müssen)

(M)ein Gedanke für den Tag

 

"(M)ein Gedanke für den Tag" gab es zwei Monate lang täglich. Seit Himmelfahrt 2020 gibt es in unregelmäßigen Abständen weitere "Gedanken für den Tag".

Wenn Sie selbst Gedanken haben, teilen Sie diese gern mit. Schreiben Sie sie an Pastorin Paschen (pastorin-paschen[at]kirche-bad-schwartau.de oder Pastor Kiehn (pastor-kiehn[at]kirche-bad-schwartau.de).

Bleiben Sie behütet und von Gott gesegnet.

Pfingstmontag
Pippi Langstrumpf, Annika und ich

Pfingsten

Das Fest des heiligen Geistes.

Geburtstag der Kirche.

Und dieses Jahr wurde gerade auch daran erinnert: Seit 75 Jahren ist Pippi Langstrumpf die Heldin in den Kinderzimmern.

Pippi ist für mich das Sinnbild für Liebe, Leidenschaft, Unkompliziertheit, Direktheit, entwaffnende Offenheit, ist unkonventionell, mutig, steht zu sich selbst, ist lustig, geht nicht gibt es nicht. Wer wollte nicht so sein?

Annika hingegen will es allen recht machen, tut, was sich gehört, will nicht auffallen, liebt es ordentlich, ist eher ängstlich, passt sich an, nimmt sich zurück.

Jede/r von uns hat beides in sich, ein bisschen Pippi, ein bisschen Annika, mal kommt eher die eine Seite zum Vorschein, mal die andere.

Oder anders und vereinfacht gesagt: Alles was wir tun, tun wir aus zwei Motiven: Liebe oder Angst.

Oft, manchmal zu oft, entscheiden wir uns für die Angst als Motiv und nicht für die Liebe. Wie toll wäre es, wenn wir alles aus Liebe täten und nicht aus Angst, Angst vor fehlendem Erfolg oder Anerkennung, vor Ausgrenzung, aus Sicherheitsdenken oder weil „man es halt so macht“.

Aber: Gott verurteilt die Annika in uns auch nicht.

„Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“, schreibt Timotheus in der Bibel (2. Tim 1,7).

Gottes Geistkraft beschenkt mich mit den kühnsten Träumen und mit dem Mut, sie zu verwirklichen, formuliert Christina Brudereck.

Ein anderes Wort für mutig ist beherzt, also voll mit dem Herzen dabei zu sein. Das heißt für mich, die Liebe als Motiv zu haben.

Dass ich die Pippi (wieder) mehr zu Wort kommen lasse, mutig bin, das zu tun und zu dem zu stehen, was ich als gut und richtig erkannt habe und mich neu inspirieren – begeistern zu lassen, das wünsche ich mir – nicht nur zu Pfingsten.

Katja Elstner

zum 1. Juni 2020 (Pfingstmontag)

Pfingstsonntag
Pippi Langstrumpf und Annika

Liebe, heilige Geistkraft.

Du bist meine Pippi Langstrumpf.
Wenn ich verzagt bin,
allzu angepasst,
mich klein fühle,
besuchst du meine Annika-Seiten.

Liebe, heilige Geistkraft.
Nachbarin aus Villa Kunterbunt.

Du lockst mich in eine andere Welt.

Du bist die Stimme, die mich ermutigt,
meine Stimme zu nutzen.
Die mich auffordert, beherzt zu sein.
Die mich mitreißt, die Welt zu verändern,
zu beschenken und neu zu sehen.

Du hast Kraft, sie aus den Angeln zu heben.
Und sie so zu machen, widde, widde, wie sie Gott gefällt.

Liebe, heilige Geistkraft.
Wenn ich müde bin,
schürst du die Hoffnung,
Du sammelst Kohlen in mir
und ich werde wieder warmherzig.
Du machst Feuer,
der göttliche Funke springt über den Gartenzaun
und ich verliere die Angst vor der Grenzenlosigkeit.

Liebe, heilige Geistkraft.
Du bist so frei. So autark. Überhaupt nicht käuflich.
Du lässt dich nicht verschrecken.
Du wehst immer noch, wo du willst.
Du beschenkst mich mit den kühnsten Träumen
und dem Mut, sie zu verwirklichen.
Du bist die Kraft, die ich nicht beweisen kann.
Unsichtbar wie der Wind.
Und doch erlebe ich Deine Wirkung in meinem Leben,
liebe, heilige Geistkraft.

(Christina Brudereck, aus: Worte meines Herzens, Gebete für Frauen, Neukirchen-Vluyn 2015)

zum 31. Mai 2020 (Pfingstsonntag)

Himmelfahrt

 

Heute stieg Jesus auf,
so wird es berichtet.
Heute entzog er sich den Seinen.
Ab heute mussten sie ohne ihn klarkommen.

Himmelfahrt -
Vatertag für manche,
die sich - normalerweise, aber was ist schon normal zur Zeit? - aufmachen
mit Handkarren und Fröhlichkeit,
dem Alltag etwas anderes entgegensetzen.

Ob es immer Väter sind?
Manchmal sind es auch Mütter, Kinder, Familien,
vielleicht heute auf der ökumenischen Pilger-Radtour durch Bad Schwartau,
sie begegnen Gott im Himmel und auf Erden
an verschiedenen Orten,
mit unterschiedlichen Glaubensvorstellungen.
Ob es allen bewusst ist?
Ob es alle so sehen?

Ist das so wichtig?
Muss immer der Verstand alles klären und erklären können?
Kann nicht schon die Sehnsucht danach,
"mal rauszukommen",
anderes zu sehen,
eine Ahnung davon bekommen, was anderen wichtig ist,
sich den Wind der Vielfalt um die Nase wehen lassen,
bis zum Horizont zu sehen,
göttlich sein?

Ihr braucht mich nicht mehr,
sagt die Himmelfahrtsgeschichte über Jesus.
Ab heute kommt ihr ohne mich klar.
So wird es berichtet.

Und er steigt auf - unerklärlich, aber muss es erklärt werden?
Ist es so wichtig, ob das Realität war?
Muss es Wahrheit sein, objektiv, für immer und ewig
unerschütterlich für alle gleich?
Was ginge verloren,
wenn es nicht darauf ankommt?
Was hörte auf, wenn es um anderes ginge,
um inneres Geschehen,
um Glaubenserfahrung,
die so unterschiedlich ist,
wie wir Menschen verschieden sind?

Am Himmelfahrtstag hört nichts auf,
sondern heute geht es weiter.
Wir gehen weiter hinein in die Welt,
in das Leben,
mit Gott - oder ohne Gott, wer will das beurteilen? -
in diesem Jahr ruhiger als sonst,
nicht mit einem Gottesdienst draußen,
nicht mit festlicher Musik,
anders eben,
aber nicht weniger mit Gott.

Wäre Jesus geblieben,
wer weiß,
ob es diese Glaubenserfahrung gegeben hätte.

Himmelfahrt.

Jesus steigt auf,
so wird es berichtet.
Er entzieht sich den Seinen.
Sie kommen ohne ihn klar,
auch wenn Sie nicht immer wissen,
wohin die Reise geht.

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt,
fährt durch das Meer der Zeit... (Ev. Gesangbuch Nr. 612)

zum 21.Mai 2020 - Himmelfahrtstag

(M)ein Gedanke für den Tag wird ab heute nicht mehr täglich fortgesetzt.

Wenn Sie selbst Gedanken haben, teilen Sie diese gern mit. Scheiben Sie an Pastorin Paschen (pastorin-paschen[at]kirche-bad-schwartau.de oder Pastor Kiehn (pastor-kiehn[at]kirche-bad-schwartau.de).

Bleiben Sie behütet und von Gott gesegnet.

Matthias Kiehn

Am Tag vor Himmelfahrt

Der Himmel ist weit und klar
und verliert sich in endloser Weite.

Die Türme ragen hinein in das Blau,
ritzen es leicht, als wollten sie teilhaben
an göttlicher Erhabenheit
- und sind doch nur der Versuch,
mehr zu scheinen als zu sein.

Ein Synonym für stetige Schaffenskraft
und Orientierung auf das Ziel?

Ein Beweis für zäher Streben
nach Perfektion?

Gar eine steingewordene These,
dies sei der Weg zum Kontakt mit dem,
was über allem steht?

Oh Mensch, je höher Du baust,
desto mehr wird Deine Endlichkeit sichtbar.

Lebe Deine Armseligkeit!
Nimm Deine Grenzen an!
Begreife geringe Größe und Bedeutung!
Erkenne Deinen winzigen Anteil am Gesamten!

Dann nimmst Du Deine Verantwortung wahr.

Hartmut Friedrich

zum 20. Mai 2020

Glück

 

Glück
ist die Fähigkeit,
Loslassen zu können,
weil nur sie freimacht und
als Zustand von Dauer erlebt werden kann.

Glück
könnte sein,
allein sein zu können,
ohne einsam zu sein.

Verzichten zu können,
ohne am Mangel z zerbrechen,
sich mit der Begrenztheit der eigenen Existenz
abfinden können.

Aus dem Wiederholungszwang und ewigen Kreislauf
zwischen Lust und Verlangen
herauskommen können.

Joachim Scharfenberg

zum 19. Mai 2020

Loslassen

 

Loslassen
was ich nicht tragen kann
was mich erdrückt
und klein macht

Zulassen
was mich stärkt
was mich kräftigt
und mir Richtung gibt

Offenlassen
was in nicht klären kann
was noch im Dunkeln liegt
und nicht an der Zeit ist

Freilassen
mich selbst
das Leben in mir

Petra Diekneitz

zum 18. Mai 2020

Rogate - Bete
zum Sonntag "Bete"

Gebet heißt für mich:

Ich wende mich einer Kraft, Macht, höheren Instanz zu,
als gläubiger Mensch nenne ich sie Gott.

Andere sagen Allah, der Herr, Manitu, Wischnu,
oder versenken sich in die Lehre Buddhas,
beten zu wem oder was weiß ich.

Allen ist gleich:
Es gibt etwas außerhalb von mir
an das ich mich wende.

Wer nicht an eine Gottheit glaubt,
ist kein schlechter Mensch,
lebt manches Mal - denke ich mir -
christlicher als ich.

Auch wer nicht an eine Gottheit glaubt,
sucht und findet -
manchmal, wie ich -
einen Sinn für sein Leben,
eine Aufgabe, die erfüllt,
ein Ziel, für das es sich zu leben lohnt.

Zum Glück bei wenigen Menschen nur
sind es ausschließlich egoistisch geprägte Aufgaben,
wird der Sinn in allein sich selbst gefunden,
das Ziel nur im eigenen Nutzen gesehen.

Meistens liegen Sinn, Aufgabe und Ziel
außerhalb von mir, dir, ihr, ihm selbst.

Ich muss es nicht beten nennen,
kann auch sagen:

Ich führe eine Auseinandersetzung mit mir,
mit meinem Gewissen,
wenn ich abwägte,
was zu tun und zu lassen ist,
wofür ich meine Kraft, meinen Mut, mein Leben einsetze.

Ich muss es nicht beten nennen.
Aber es schadet mir nicht,
mir vorzustellen,
dass da ein Gegenüber ist,
dem ich Rede und Antwort stehen muss
und will.

Martin Buber,
ein jüdischer Theologe des vergangenen Jahrhunderts, schreibt:

Betrachte drei Dinge.
Wisse,
woher du kamst
und
wohin du gehst
und
vor wem du dich zu verantworten hast.

Ich werde still
in meinem Gebet.

Matthias Kiehn

zum 17. Mai 2020 - Sonntag Rogate - Bete

Mit leichtem Gepäck

 

Bedenke,
was zählt.

Wirf
allen Ballast ab,

und du beginnst
zu schweben.

Peter Janßen

Ach, wär´ das schön!

zum 16. Mai 2020

Schleswig-Holstein

 

Ein Schleswig-Holsteiner sitzt am Strand und schaut auf´s Meer. Da setzt sich Gott neben ihn und tut es ihm gleich.

Nach einer Weile traut sich der Schleswig-Holsteiner und fragt:

"Moin Gott, wat mokst du denn bi uns in Sleswig-Holsteen?"

"Homeoffice, mien Jung..."

zum 15. Mai 2020

(Von einer Freundin aus Süddeutschland)

Verantwortung


Der Himmel ist weit und klar
und verliert sich in endloser Weite.
Die Türme ragen hinein in das Blau,
ritzen es leicht, als wollten sie teilhaben
an göttlicher Erhabenheit
- und sind doch nur der Versuch,
mehr zu scheinen als zu sein.
Ein Synonym für stetige Schaffenskraft
und Orientierung auf das Ziel?
Ein Beweis für zähes Streben
nach Perfektion?
Gar eine steingewordene These,
dies sei der Weg zum Kontakt mit dem,
was über allem steht?

Oh Mensch, je höher du baust,
desto mehr wird Deine Endlichkeit sichtbar.
Lebe Deine Armeseligkeit! Nimm Deine Grenzen an!
Begreife geringe Größe und Bedeutung!
Erkenne Dienen winzigen Anteil am Gesamten!

Dann nimmst Du Deine Verantwortung wahr.

Hartmut Friedrichs

zum 14. Mai 2020

Friede

Der Friede
in deinem Herzen
macht den Menschen
die dir nahe sind
das Leben schön

Frère Roger

zum 13. Mai 2020

(Foto: Friedenstaube am Abendhimmel)

Der Gedanke an die Zukunft erweckt widersprüchliche Gefühle in uns. Wir können mit freudiger Erwartung an die Zukunft denken, die uns Gelegenheit gibt, unsere Möglichkeiten zu verwirklichen, den Reichtum des Lebens zu erfahren oder etwas Neues zu schaffen... Aber diesen freudigen Gefühlen stehen andere entgegen: Die Angst vor dem unentrinnbaren Ende, selbst in seinem undurchdringlichen Dunkel und vor der Möglichkeit, dass unsere ganze zeitliche Existenz verurteilt wird. – Wie verhalten sich die Menschen, wie verhalten wir uns diesem Bilde der Zukunft gegenüber mit ihren Versprechungen, ihren Gefahren und der Drohung unseres unausweichlichen Endes? Wahrscheinlich bemühen sich die meisten Menschen, nur an die unmittelbare Zukunft zu denken, für sie arbeitend, hoffend und fürchtend, um so den Gedanken an die weitere Zukunft, und vor allen an ihren letzten Augenblick, zu unterdrücken. Vielleicht könnten wir anders nicht leben. Aber wie könnten wir sterben, wenn wir den Tod nicht denken können? Und wer nicht fähig ist zu sterben, ist der fähig zu leben?

Paul Tillich (Das ewige im Jetzt, 1964, S. 120f.

zum 12. Mai 2020

Gras wachsen hören

 

Wir meinen wohl manchmal,
wir könnten das Gras wachsen hören -

und dabei raschelt nur
das Stroh
in unserem Kopf

Gerhard Sauter

zum 11. Mai 2020

Photo by Wolfgang Hasselmann on Unsplash

Sonntag "Katate" - Singet

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1 Singet dem HERRN ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
2 Der HERR lässt sein Heil verkündigen;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
3 Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
4 Jauchzet dem HERRN, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
5 Lobet den HERRN mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
6 Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem HERRN, dem König!
7 Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
8 Die Ströme sollen in die Hände klatschen,
und alle Berge seien fröhlich 9 vor dem HERRN;
denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist.

Psalm 98 - Sonntag "Kantate" (Singet)

Singen ist eine edle Kunst und Übung.

Hier kann nicht sein ein böser Mut,
Wo da singen Gesellen gut.


Musica ist das beste Labsal eines betrübten Menschen, dadurch das Herze wieder zufrieden, erquickt und erfrischt wird.

Wer sich die Musik erkiest,
hat ein himmlisch Werk gewonnen;
denn ihr erster Ursprung ist
von dem Himmel selbst genommen,
weil die lieben Engelein
selber Musikanten sein.


Es fließt mir das Herz über vor Dankbarkeit gegen die Musik, die mich so oft erquickt und aus großen Nöten errettet hat.

Martin Luther

zum 10. Mai 2020

Jetzt sind wir dran

Es ist Zeit
hat er gesagt
die Gleichgültigen und Friedlosen
zu wecken die Mächtigen
und Ohnmächtigen zu lehren
die Gefangenen und Traurigen
zu trösten
Ohne Zweifel
jetzt sind wir dran

Kurt Wolff

(Kurzgeschichten mit dreißig Wörtern; in: Ein Maulbeerbaum für die Übersicht; Neukirchen-Vluyn 1980)

zum 9. Mai 2020

75 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges

Die Brücke von Remagen war 1945 der erste Übergang der alliierten Truppen über den Rhein. Um einen Übergang zu verhindern, war von deutscher Seite versucht worden, die Brücke zu sprengen. Die Sprengversuche scheiterten zunächst. Die Brücke war stark beschädigt, doch bevor sie zusammenbrach, konnten noch alliierte Truppen übersetzen und einen Brückenkopf bilden.

Öffnet externen Link in neuem Fenster

Heute befindet sich im linksseitigen Brückenpfeiler (Bild-Vordergrund) das einzige Öffnet externen Link in neuem FensterFriedensmuseum Deutschlands - sogenannte Kriegsmuseen gibt es mehrere. Doch hier wird Wert darauf gelegt, den Frieden zu betonen. In der Ausstellung befindet sich auch die "Botschaften für den Frieden" (Bild unten):

Wirklicher Friede bedeutet auch wirtschaftliche Entwicklung und soziale Gerechtigkeit, bedeutet Schutz der Umwelt, bedeutet Demokratie, Vielfalt und Würde und vieles, vieles mehr.
Kofi Annan

Wir müssen uns als Mitglieder derselben menschlichen Familie auf diesem kleinen Planeten begreifen.
Wenn wir in der Lage sind, dies aufrichtig und weltweit zu tun, dann gibt es Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden auf Erden.

Tendzin Gyatsho, 14. Dalai Lama

Frieden kannst du nur haben, wenn du ihn gibst.
Marie von Ebner-Eschenbach

Wir verdienen auch noch an den Kriegen, die wir dann beklagen.
Margot Käßmann

Ich glaube, dass Gewaltlosigkeit der Gewalt himmelhoch überlegen ist, dass Vergebung männlicher ist als Vergeltung.
Mahatma Gandhi

Krieg führen heißt Unschuldige töten und sich selbst unschuldig töten lassen. Kann sich ein selbständiger und anständiger Mensch an einem solchen Geschäft beteiligen?
Albert Einstein

Ich glaube nicht, dass allein die führenden Männer, die Regierenden und Kapitalisten am Krieg schuld sind. Der Kleine Mann anscheinend auch, sonst würden die Völker als solche nicht mitmachen.
Anne Frank

Wir haben gelernt wie die Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen, doch wir haben die einfache Kunst verlernt: wie Brüder zu leben.
Martin Luther King

Der Friede ist ein Meisterstück der Vernunft.
Immanuel Kant

Lasst uns jeden Tag mit Herz und Verstand für den Frieden arbeiten. Beginne jeder bei sich selbst.
Hans Peter Kürten

Der Krieg ist aus, wenn Du es willst.
John Lennon

Friede beginnt mit einem Lächeln. Fächle fünfmal am Tag einem Menschen zu, dem du gar nicht zulächeln willst. Tue es um des Friedens willen, denn jedes Lachen vermehrt das Glück auf Erden.
Mutter Teresa

Über den Frieden sprechen, heißt über etwas sprachen, was es (noch) nicht gibt.
Astrid Lindgren

Was sich in der Friedensbewegung äußert, ist nicht ein Traum weltentrückter Phantasten, es ist der Selbsterhaltungstrieb der Zivilisation.
Bertha von Suttner

Es ist nicht genug, nur über den Frieden zu sprechen. Man muss an ihn glauben. Und es ist nicht genug, nur an ihn zu glauben. Man muss auch an ihm arbeiten.
Eleanor Roosevelt

zum 8. Mai 2020

Vergangenheit

 

Es gibt Menschen,
die ihre Zukunft
schon hinter sich haben
und vor sich
nur noch ihre
Vergangenheit.

Albrecht Grözinger

zum 7. Mai 2020

Wo bleiben die Erfinder?

Wo bleiben die Erfinder?
Wir brauchen dringend Erfindungen,
die zu Stille verhelfen,
sie schützen,
sie retten.

Helder Camara

zum 6. Mai 2020

Worte eines Künstlers

Ich bekam ein wundervolles Kunstbuch geschenkt. Gleich das erste Bild: ein Ölgemälde (im Druck wohl größer als im Original). Ein blauer Himmel wie fast den ganzen April hindurch, darunter in sattem Gelb ein Rapsfeld. Auf der gegenüberliegenden Seite hat der Künstler Gedanken aufgeschrieben, die auf wundersame Weise das Bild, den Entstehungsprozess und dessen Bedeutung für den Künstler beschreiben und zugleich Gedanken, die ich habe in der jetzigen Situation:

Über die kleine Form oder Die Welt auf hundertzwanzig Quadratzentimetern" beginnen

"Mit einem breiten Strich Blau das Unendliche einfangen. Dicht am Horizont heller werden, darüber mit etwas angewärmten Titanweiß Cumuli segeln lassen. Mit den Fingerkuppen ganz leicht die entfernteren in das nasse Blau tupfen. Dann Luft vom Land trennen und gleichzeitig aneinander binden. Umbra und Grün machen Busch und Baum, teilen Himmel und Erde. Breites pastoses Gelb füllt den Raum und hängt über den grob hingewischten Feldrandschatten im Vordergrund. Die Pinselspur zieht Furchen - da, wo sie kurz bremst, türmen sich kleine Zipfel aus Farbe.
Frei Hektar Raps aus einem haselnussgroßen Stück Kadmiumgelb, eine Welt auf 10 x 12 Zentimetern.
Das kleine Format ist Selbstbeschränkung und Maßlosigkeit in einem. Manchmal dient es als vorbereitendes Material für größere Leinwände, aber oft ist es sich selbst genug und steht für sich. Klein - aber nie kleinlich. Es erteilt Lektionen in Vereinfachung, Reduktion und Verhältnismäßigkeit, zwingt zum Weglassen von Unwichtigem und zur Konzentration auf Wesentliches. Es verallgemeinert und spitzt zu, spannt große Bögen, schafft weiten Raum auf begrenzter Fläche, macht Großes klein und Kleines groß - und manchmal auch beides in einem.

Die kleine Form ist lustvolles Spiel in malerischer Ökonomie.

fa

(aus: Friedel Anderson - Das kleine Format. (C) 2020 Kunsthandel Hubertus Hoffschild, Lübeck)

zum 5. Mai 2020

P.S: Das abgebildete Rapsfeld ist nicht das beschriebene Bild von Friedel Anderson, schon da das Format ein anderes ist. Doch es könnte es fast sein.

Zu den neuen Entscheidungen

 

Kein Problem wird gelöst,
wenn wir träge darauf warten,
dass Gott allein
sich darum kümmert.

Martin Luther King

zum 4. Mai 2020

Spiritualität

Spiritualität
ist das Gespür für das,
was der Mensch in meiner Nähe
braucht,
und meine Bereitschaft,
ihm
das Nötige zu geben,
ein Anteilnehmen
an seiner
Bedürftigkeit.

Helmut Harberg

zu Sonntag, 3. Mai 2020

Aggressiv

Neulich im Supermarkt.

Ich habe nur wenige Dinge im Einkaufswagen, nicht einmal Toilettenpapier, und schiebe gemütlich in Richtung Kasse. Warum hetzen, wenn ich ohnehin warten muss. Alle 1,5 Meter ein schwarz-gelber Klebestreifen auf dem Weg zur Kasse zeigt mir die Abstände an, dabei habe ich meine Mund-Nasen-Schutzmaske auf, aber gut. Ich bin ja vernünftig, rücksichtsvoll, habe verstanden: Mit der Maske schütze ich nicht mich selbst, sondern die anderen um mich herum. Und ich bin darauf angewiesen, dass sie mich durch entsprechende Maßnahmen (na, Maske und Abstand) schützen.

Gesellschaftlich ist das alles ein großer Gewinn. Wir lernen, dass Gemeinschaft nur funktioniert, wenn wir aufeinander achten, wenn wir für den anderen Verantwortung übernehmen. Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst - live und teilweise wunderbar in Farbe, je nach selbstgenähtem Maskenstoff.

So schiebe ich also langsam meinen Einkaufwagen vor mir her über den nächsten schwarz-gelben Streifen hinweg, da werde ich von meinem Vordermann angeraunzt: "Nicht über den Streifen!"

Erschrocken zucke ich zusammen, obwohl ich doch hinter dem Streifen stehe, nur mein Wagen davor - und der missmutige Herr vor mir steht vor dem nächsten Streifen, also ich meine dahinter, so dass mehr als 1,5 Meter Platz sind, Und eine Maske hat er auch auf, sogar eine lustige, violett mit gelben Streifen diagonal. ´Mal ´was anderes als immer nur senkrecht oder quer. Und ich denke nur: "Du Affe..."

Wir sehen überall in der Welt,
dass Menschen so aggressiv sind,
wie sie erzogen wurden.
(Gunnar Mydral)

Stimmt das?

Matthias Kiehn (zum 2. Mai 2020)

Ein altes irisches Gebet
Zum "Tag der Arbeit"


Nimm dir Zeit zum Arbeiten - es ist der Preis des Erfolges.
Nimm dir Zeit zum Denken - es ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit zum Spielen - es ist das Geheimnis ewiger Jugend.
Nimm dir Zeit zum Lesen - es ist der Brunnen der Weisheit.
Nimm dir Zeit zum  Beten - es ist der Raum der Wahrheit.
Nimm dir Zeit, freundlich zu sein - es ist der Weg zum Glück.
Nimm dir Zeit zum Träumen - es bringt dich den Sternen näher.
Nimm dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden - es ist das Privileg der Götter.
Nimm dir Zeit, dich umzuschauen - der Tag ist zu kurz, um selbstsüchtig zu sein.
Nimm dir Zeit zum Singen - es ist das Tor zur Freude.
Nimm dir Zeit zum Lachen - es ist die Musik der Seele.

zum 1. Mai 2020

Photo by Alex Guillaume on Unsplash

Wie sollte man wohl leben

Wie sollte man wohl leben,
wenn man nicht fortwährend
bei sich wie
bei den anderen
hunderterlei
krumm
gerade sein
ließe?

Christian Morgenstern

zum 30. April 2020 - einem Tag, an dem wieder so viele wissen, was richtig wäre, was besser wäre, was gemacht werden müsste, damit...

Schaut die Blumen auf dem Felde

wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
Matthäusevangelium Kapitel 6, Verse 28b-29

Nach einem Gespräch mit meiner Freundin A. gingen mir diese Worte durch den Kopf. Und (wieder einmal) ein besonderes Lied: Ich liebe Blumen...

Öffnet externen Link in neuem FensterLautsprecher einschalten und hier geht´s los!

Matthias Kiehn

P.S. Trotz aller Sorgen oder gerade deswegen darf es auch ´mal lustig sein.

Öffnet externen Link in neuem FensterFoto: Robert Kiehn

Verzweifelt ist nur ...

 

Verzweifelt ist nur, wer ohne jeden Zweifel
das schlimme Ende absehen kann.

Weise ist, wer das Notwendige erkennt,
nachdem alle anderen Möglichkeiten erwogen wurden;
doch es mag sein, dass er denen als närrisch erscheint,
die sich an falsche Hoffnungen klammern.

Nun denn!
Lasst Narrheit unsern Mantel sein.

John Ronald Reuel Tolkien
in: Der Herr der Ringe. Band 1: Die Gefährten
Klett-Cotta, 7.2001, S. 351

zum 23. April 2020

Ein Konfirmand schickte mir diese Gedanken

Die wahren Optimistensind nicht überzeugt, dass alles gut gehen wird,

aber sie sind überzeugt, dass nicht alles schief gehen kann.

(Friedrich Schiller)

zum 27. April 2020

Photo by Nick Fewings on Unsplash

Er lebte jahrelang in unserem Dorf
Markusevangelium Kapitel 8, Verse 22-26

 

Er lebte jahrelang in unserem Dorf.

Er war "unser" Blinder,
abhängig von unserer Mildtätigkeit,
angewiesen auf unsere Gaben,
ausgeliefert unserer Gunst.

Er war unser Opfer,
abhängig von unserer Aufmerksamkeit,
angewiesen auf unsere Hilfe,
ausgeliefert unserer Missgunst.

Er war immer der letzte in der Reihe,
abhängig davon, was wir übrig lassen,
angewiesen darauf, dass wir ihn im Blick behalten,
ausgeliefert dem Elend, in dem wir ihn lassen.

Er lebte jahrelang in unserem Dorf.

Er war immer der,. über den sich alle lustig machten,
war immer der, der allen Spott auf sich zog,
immer der, auf den alle herunterblickten,
der, der selbst Schuld hatte.

Wenn jemand sich über mich lustig machte, lachte ich ihn aus,
jemand über mich spottete, spottete ich über ihn,
auf mich herabsah, sah ich auf ihn herab,
ich Schuld hatte, war seine Schuld viel größer.

Er lebte jahrelang in unserem Dorf.

Nun ist er weggegangen,
nicht zurückgekehrt,
hat sehen gelernt.
Die anderen sehen mich an.

Matthias Kiehn

zum 26. April 2020

Genieße den Tag

 

Wer möchte im Ernst unsterblich sein?
Wer möchte bis in alle Ewigkeit leben?
Wie langweilig und schal es sein müsste
zu wissen:
Es spielt keine Rolle,
was heute passiert, in diesem Monat, diesem Jahr:
Es kommen noch unendlich viele Tage, Monate, Jahre.
Unendlich viele, buchstäblich.
Würde,
wenn es so wäre,
noch irgend etwas zählen?
Wir bräuchten nicht mehr mit der Zeit zu rechnen,
könnten nichts verpassen,
müssten uns nicht beeilen.
Es wäre gleichgültig,
ob wir etwas heute tun oder morgen, vollkommen gleichgültig.
Millionenfache Versäumnisse würden vor der Ewigkeit
zu einem Nichts,
und es hätte keinen Sinn, etwas zu bedauern,
denn es bliebe immer Zeit, es nachzuholen.
Nicht einmal in den Tag hinein leben könnten wir,
denn dieses Glück
zehrt vom Bewusstsein der verrinnenden Zeit,
der Müßiggänger ist ein Abenteurer im Angesicht des Todes,
ein Kreuzritter wieder das Diktat der Eile.
Wenn immer und überall
Zeit für alles und jedes ist:
Wo sollte da noch Raum sein für
die Freude an Zeitverschwendung?

Paul Mercier

(aus: Nachtzug nach Lissabon; Carl Hauser Verlag, München 2004)

zum 25. April 2020

Toleranz

Toleranz heißt er-tragen.

Bei wichtigen Dingen sind unsere Gefühle immer mit im Spiel. Deshalb ist Toleranz nicht nur eine Sache unseres Denkens, sondern - und dies wohl weitaus mehr - eine Sache unserer Gefühle. Man wird nciht immer ein gutes Gefühl haben, wenn man tolerant ist. Gerade dort, wo Toleranz am nötigsten ist, werden die Menschen oder an die Grenze dessen geführt, zu dem sie emotional fähig sind.

Toleranz ist eine riskante Angelegenheit.

Albrecht Grözinger

zum 24. April 2020

Photo by Perry Grone on Unsplash

Anknüpfung an "Ich bin"

Ich bin.
Aber
ich habe mich nicht.
Darum
werden wir erst.


Ernst Bloch (Philosophische Grundfragen I. 1961)

In Tagen wie diesen, in denen alles auf den Kopf gestellt scheint, in denen es „normal“ nicht mehr gibt, in denen „normal“ erst wieder neu gefunden werden muss, uns allen aber bewusst ist, dass das erste geschehen kann, wenn es wieder normal geworden ist, werden die Worte Ernst Blochs konkret.

Ich bin
immer noch ich. Zwar bin ich nicht mehr der, der ich vor der Krise war, ich bin auch nicht der, der ich danach sein werde. Aber ich bin jetzt, der, der ich bin.

Aber
ich merke, dass ich mich nicht habe, weil das „Ich“, von dem ich eben gesprochen habe, schon wieder ein anderes ist, denn es ist vergangen. Indem ich mich dem kurzen Wort „aber“ stelle, verändere ich meine Haltung zu mir und damit verändere ich mich.

Ich habe mich nicht,
weil ich den Moment nicht festhalten kann, in dem ich ich bin, ich sage, denke, fühle, bin ich es schon nicht mehr, weil der Moment vorüber ist.

Darum
rede ich von mir als „Ich“ immer aus der Erfahrung von mir, die ich bislang mit mir gemacht habe, die mir, wenn ich darüber nachdenken, was mich schon wieder verändert, deutlich macht, dass ich immer anders werde, neu, manchmal enger, manchmal weiter, manchmal klüger, manchmal dümmer, darum

werde ich erst.
Das kann ich sagen, auch wenn ich nicht weiß, wie dieses Ich, das noch vor mir liegt, sein wird oder besser werden wird.
Doch Ernst Bloch wechselt in diesen letzten Worten die Person. Nicht „Darum werde ich erst“, sondern „Darum werden wir erst.“

Wir
ist eine Mehrzahl von ich. Wir setzt mindestens ein Gegenüber voraus.
Und weil ich mich nicht habe,
weil ich eben immer der bin, der ich war
auch durch die Umstände, in denen ich der geworden bin,
der ich war und der ich jetzt bin,
werde ich eben auch der sein, der ich sein werde
in dem Gegenüber zu einem anderen Ich,
das ebenso das ist, aus dem es geworden ist
auch durch die Umstände, in denen das andere Ich
die Person geworden ist, die sie war und jetzt ist,
wird auch sie die Person sein, die sie sein wird
in dem Gegenüber zu einem anderen, der manchmal ich war und bin.

Darum
werden wir erst.
Und sind darin Gott gleich,
Denn Gott sagt von sich:
Ich bin, der ich sein werde. (Exodus / 2. Mose 3,14)

Matthias Kiehn

Ich bin

 

Ich bin.
Aber
ich habe mich nicht.
Darum
werden wir erst.

Ernst Bloch
(Philosophische Grundfragen I. 1961)

zum 22. April 2020

In Christus leben

 

In Christus leben
heißt,
von den Normen
und Zwängen dieser Welt
befreit zu sein.
Es ist eine Existenz
gewissermaßen mit den Füßen auf Erden
und dem Herzen im Himmel.

Wolfgang Herrmann
(PSt. 2011/2012 II S. 237)

Foto: M. Kiehn - Motiv: Gisela Eufe "Über den Wolken" 2010, Edelstahl, Aluminium farbig gefasst; Worpswede

zum 21. April 2020

Hindernis

Verbringe nicht die Zeit
mit der Suche nach
einem Hindernis.
Vielleicht ist keins da.

Franz Kafka

zum 20. April 2020

Naturwunder

 

Eines der befriedigsten Gefühle habe ich, wenn ich einen Anderen auf dieselbe Weise genieße wie zum Beispiel einen Sonnenuntergang. Menschen sind genauso wundervoll wie ein Sonnenuntergang, wenn ich sie sein lassen kann. Ja, vielleicht bewundern wir einen Sonnenuntergang gerade deshalb, weil wir ihn nicht kontrollieren können. Wenn ich einen Sonnenuntergang betrachte, höre ich mich nicht sagen: "Bitte das Orange etwas gedämpfter in der rechten Ecke und etwas mehr Violett am Horizont und ein bisschen mehr Rosa in de Wolken." Das mache ich nicht. Ich versuche nicht, einem Sonnenuntergang meinen Willen aufzuzwingen. Ich betrachte ihn mit Ehrfurcht.

Carl Rogers

zum 19. April 2020

Es gibt dich

Es gibt dich

Dein Ort ist
wo Augen dich ansehen
Wo sich die Augen treffen
entstehst du

Von einem Ruf gehalten
immer die gleiche Stimme
es scheint nur eine zu geben
mit der alle rufen

Du fielest
aber du fällst nicht
Augen fangen dich auf

Es gibt dich
weil Augen dich wollen
dich ansehen und sagen
dass es dich gibt

Hilde Domin

zum 18. April 2020

Photo by Ani Kolleshi on Unsplash

Was mein Leben leichter macht

 

Wenn mein 19-jähriger Sohn, der für ein Jahr einen Freiwilligendienst in Sambia leistet,  nach zwei Monaten schreibt: "Ich habe aufgehört, schwarz und weiß zu sehen."

(aus: "Was mein Leben reicher macht 2014" Glücksmomente für jeden Tag)

zum 17. April 2020

Der Prophet als Spiegel

 

"Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!"
Jesaja 5,21 (Tageslosung)

Der Prophet hat vor rund 2.500 Jahren den Menschen einen Spiegel vorgehalten. Er hält ihn noch heute hoch, auch für mich.

Matthias Kiehn

zum 15. April 2020

Photo by Andre Mouton on Unsplash

Lebe, als hättest du nichts

"Freude in allem Leide"

Gestern ging mir die "Ode an die Freude" - der letzte Satz aus Beethovens neunter Symphonie - durch den Kopf. Das schöne Wetter, die Freude darüber, dass Ostern uns verspricht: Auch wenn alles vorbei zu sein scheint, will Gott Leben. Wer wollte sich nicht freuen?

Ich spüre das Leben, ich sehe es an den Bäumen, den Blumen, den wundervollen Rhododendren an unserer Kirche und auf dem Friedhof. Ich sehe es an den Menschen, die unterwegs sind, nicht im Auto, sondern zu Fuß durch das Küsterholz, entlang der Wege.

Paulus schreibt - in anderem Zusammenhang - wir sollten leben so, als wenn wir das, was wir haben, nicht haben (1. Kor 7,29-31; vgl. 2. Kor 6,3-10). Das klingt verwirrend. Ich verstehe Paulus so:

Wir dürfen uns an dem, was wir haben, erfreuen. Aber wir sollen unser Leben nicht daran klammern. Wir sollen uns daran nicht festhalten. Mehr noch: Wir sollen unser Leben davon nicht abhängig machen. Martin Luther sagt es so: "Woran du dein Herz hängst, das ist eigentlich dein Gott."

Gestern war mir nach großer Freude: Alle Menschen sind Geschwister.

Heute ahne ich, dass die Freude darüber rasch wieder getrübt wird durch Egoismen:
Hauptsache ich habe eine Atemschutzmaske, Hauptsache wir haben ausreichend Beatmungsgeräte, Hauptsache bei uns reichen die Intensivbetten...
Die Zahlen aus den Nachrichten beruhigen mich, weil die Situation bei uns in Deutschland verhältnismäßig gut aussieht. Doch was ist mit den Menschen in den Krisengebieten? Dort, wo Krieg und Zerstörung die ohnehin schlechte(re) medizinische Versorgung nahezu unmöglich gemacht haben, dort, wo vor lauter Not, Armut und Ausbeutung kaum sanitäre Einrichtungen vorhanden sind, da wird das Virus ungleich härtere Auswirkungen mit sich bringen.

Die Zahlen, die wir vorgesetzt bekommen, sind nicht vergleichbar, daher auch nicht aussagekräftig. Es gibt keine einheitlichen Kriterien, wie die Zahlen in den einzelnen Ländern überhaupt erhoben werden. Wenn überhaupt, dann spiegeln die Zahlen nur die bekannten Infektionen wider. Doch wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß schon bei uns in Deutschland niemand. In Afrika, Asien, Südamerika, in den Slums, Favelas, Armenvirtel, kann es kein Mensch übersehen. Die Wanderarbeiterinnen und -Arbeitern in Indien wurden nicht getestet. Und wie die Situation in autokratisch regierten Ländern ist, bleibt ohnehin ungewiss, weil dort eher nicht sein kann, was nicht sein darf, weil die Mächtigen keine Schwäche zeigen und Fehler eingestehen dürfen, da das ihre (All-)Macht in Frage stellt.

So mischt sich bei mir in die Freude der Grauschleier der Realität. Wie wird es werden in Brasilien, in Äthiopien, auf den Malediven...

Was mich tröstet: Nach Ostern ist vor Ostern. Der Kreislauf, den wir Jahr für Jahr bedenken, kommt immer wieder an den Punkt der Passion. Gott stirbt an den Folgen menschlichen Handelns, aber Gott lebt trotz dieses Tuns. In dem Menschen Jesus wird Gottes Liebe zum Leben greifbar. Jesus hatte sein Leben nicht in den eigenen Händen, er hatte es, als hätte er es nicht. Das ist Passion. Es war in Gottes Hand, das ist Ostern. Das eine gibt es nicht ohne das andere.Es gibt den Tod und das Leben. Das erleben wir Tag für Tag.

Darum habe ich Freude, als hätte ich sie nicht. Ich vertraue Gott all die Menschen an, für die ich nicht da sein kann. Ich bin dankbar, dass andere Gottes Hilfe bringen. Ich freue mich darüber, auch wenn ich weiß: Es reicht nicht.
Ich weiß auch: Das, was ich habe, ist Zufall, nichts, was ich mir verdient hätte und auch nichts, was mir sicher ist. Darum übe ich mich in Demut, Dankbarkeit und Freude in allem Leide.

Matthias Kiehn

zum 14. April 2020

Freude

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jesus

 

jesus
1
mit einer schar von freunden (freundinnen auch)
durch galiläas dörfer und städte ziehend
hat er kranke geheilt und geschichten erzählt
von der weltleidenschaft des ewigen gottes
2
privilegien der klasse der bildung galten ihm nichts
zu seinem umgang zählten tagelöhner und zöllner
wo mangel sich zeigte an nahrung oder getränk
teilte er fische brot und wein aus für viele
3
die gewalt von gewalthabern verachtete er
gewaltlosen hat er die erde versprochen
sein thema: die zukunft gottes auf erden
das ende von menschenmacht über menschen
4
in einer patriarchalischen welt blieb er der sohn
und ein anwalt unmündiger frauen und kinder
wollten galiläer ihn gar zum könig erheben? er aber
ging hinaus nach jerusalem: direkt seinen gegnern ins garn.
auf einem jungesel kam er geritten – kleineleute-messias:
die finger einer halbweltdame vollzogen die salbung an ihm...
bald verwirrt bald euphorisch folgten ihm die freunde, die jünger
um bei seiner verhaftung ratlos unterzutauchen ins dunkel
6
über sein schweigen hin rollte der schnelle prozess
ein afrikaner schleppt für ihn den balken zum richtplatz hinaus
stundenlang hin er an kreuz: folter mit tödlichem ausgang –
drei tage später die nicht zu erwartende wendung
7
anstatt sich verstummt zu verziehen ins bessere jenseits
brach er von neuem auf in das grausame diesseits
zum langen marsch durch die viellabyrinthe
der völker der kirchen und unserer unheilsgeschichte
8
oft wandelt uns jetzt die furcht an er könnte
sich lang schon verirrt und verlaufen haben
entmutigt verschollen für immer vielleicht – oder bricht er
noch einmal (wie einst an ostern) den bann?
9
und also erzählen wir weiter von ihm
die geschichten seiner rebellischen liebe
die uns auferwecken vom täglichen tod –
und vor uns bleibt: was möglich wär noch

Kurt Marti (zart und genau, 1985)

zum Ostermontag, 13.April 2020

Ostern - meinen wir das?

Ostern! Was ist Ostern?

Mir gibt es zu denken,
dass Ostern ein Vorwort für so vieles:
Ostergebäck, Osterhase, Osterurlaub, Osterverkehr.
Warum nicht einfach: Ostern?

Ostern: Das Kreuz ist überwunden.
Ostern: Jesus ist vom Tod erstanden.
Ostern: Der Tod ist besiegt.
Ostern: Ich bin nicht mehr allein.
Ostern: Jesus lebt.
Ostern: Ich kann wieder Hoffnung haben.
Ostern: Sterbende können Hoffnung haben.
Ostern: Leidtragende können sich wieder freuen.
Ostern: Das Licht in der Nacht.

Das meinen wir, wenn wir sagen:
"Fröhliche Ostern!"

Meinen wir das?

Kurt Rommel (1926 - 2011)

zum Ostersonntag, 12. April 2020

Das Geheimnis des Gekreuzigten

Dass ein Gescheiterter zum Symbol göttlicher Weisheit wird,
liegt quer zu den Prioritäten der gegenwärtigen Welt.

Das Geheimnis de Gekreuzigten ist:
Es gibt einen Gott,
der das menschliche Nein
an seinem eigenen Leibe erträgt.
Es gibt einen Gott,
der selbst die Gottlosen gnädig ansieht.
Dieses Geheimnis wurde am Kreuz entdeckt,
und es wartet darauf,
im aufblitzenden Licht
des Lebens und der Liebe
stets neu entdeckt zu werden.

Hans Weder (GPM 1993)

zum 10. April 2020 (Karsamstag/Osternacht)

Das ist das "Geheimnis Christi"

Das ist das "Geheimnis Christi":
in Gottes Namen sind und bleiben zwei Arme ausgestreckt
über die Menschen zur Rechten und zur Linken,
über Juden und Heiden,
über Gute und Böse,
und durch Gottes Kraft gibt es Auferweckung und neues Leben
gerade dort,
wo Verachtung, Hass und Tod überhand genommen haben.
Die trotz Zweifeln, Verzerrungen, Widerständen und Rückschlägen
unwiderstehliche Macht der Versöhnung
ist zwar oft ignoriert worden,
sie schafft sich aber ihren eigenen Weg
durch, über, unter, hinter und in unserem Alltag.
Sie ist das Salz,
das faden Massen nicht nur Geschmack,
sondern Bewahrung vor Fäulnis verleiht.
Wo dies Licht scheint,
sähen wir auch nur ein Fünklein davon,
da kann man auch in rauer Umgebung
einen Weg suchen und finden.
Versehen mit jenem Salz
wird man vor Skepsis und Verzweiflung bewahrt.

Nur wer meint, klüger und stärker als
Gott zu sein,
kann behaupten,
er bemerke überhaupt
nirgends und niemals etwas
von diesem Vorgang.

Markus Barth

(GPM 1976, S. 232)

zum Karfreitag, 10. April 2020

Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer


Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
so viel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer
nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum* ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer

(* Fatum = Schicksal)

zum 9. April 2020

Dietrich Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg / Bayern ermordet. Er wurde 39 Jahre alt (geb. 4. Februar 1906).

Auf dem Weg
in der Karwoche in Corona-Zeiten

Christus
zu ans Kreuz bringen und
das Kreuz
zu übersehen - das
sind verwandte
Bewältigungsstrategien
in schwieriger Zeit.

Brigitte Ter-Nedden-Amsler

zum 8. April 2020

Klage in der Not

So, wie dem Beter des 69. Psalms geht es jetzt mancher Frau, manchem Mann in unserer Zeit:

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm,
wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Ich bin fremd geworden meinen Brüdern
und unbekannt den Kindern meiner Mutter;
denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,
und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.

Ich aber bete zu dir, HERR, zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Die Schmach bricht mir mein Herz
und macht mich krank.

Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand,
und auf Tröster, aber ich finde keine.
Sie geben mir Galle zu essen
und Essig zu trinken für meinen Durst.
Ich aber bin elend und voller Schmerzen.
Gott, deine Hilfe schütze mich!

(Ps 69,2-4.8-10.14.21-22.30 Lutherbibel, rev. 1983)

zum 7. April 2020

Der Fischer

Ein Tourist findet am Strand einen schlafenden Fischer. Als dieser aufgewacht ist, beginnt der Tourist mit ihm ein Gespräch über die Fangquote des Fischers. Nachdem der Fischer berichtet hat, dass ihm ein guter Fang gelungen sei, der ihm ermögliche, die nächsten drei tage zu Hause bleiben zu können und nicht auszufahren, entwickelt sich am Ende der Geschichte folgendes Zwiegespräch:
„Ich will mich ja nicht in ihre persönlichen Angelegenheiten mischen“, sagte er, „aber stellen sie sich mal vor, Sie führen heute ein zweites, ein drittes, vielleicht sogar ein viertes Mal aus und Sie würden drei, vier, fünf, vielleicht gar zehn Dutzend Makrelen fangen ... stellen Sie sich das mal vor.“ Der Fischer nickt.
„Sie würden“, fährt der Tourist fort, „nicht nur heute, sondern morgen, übermorgen, ja an jedem günstigen Tag zwei-, dreimal, vielleicht viermal ausfahren – wissen Sie, was geschehen würde?“ Der Fischer schüttelt den Kopf.
„Sie würden sich in spätestens einem Jahr einen Motor kaufen können, in zwei Jahren ein zweites Bott, in drei oder vier Jahren könnten Sie vielleicht einen kleinen Kutter haben, mit zwei Booten oder dem Kutter würden Sie natürlich viel mehr fangen – eines Tages würden Sie zwei Kutter haben. Sie würden...“, die Begeisterung verschlägt ihm für ein paar Augenblicke die Stimme, „Sie würden ein kleines Kühlhaus bauen, vielleicht eine Räucherei, später eine Marinadenfabrik, mit einem eigenen Hubschrauber rundfliegen, die Fischschwärme ausmachen und Ihren Kuttern per Funk Anweisungen geben. Sie könnten ohne Zwischenhändler direkt nach Paris exportieren – und dann...“, wieder verschlägt die Begeisterung dem Fremden die Sprache. Kopfschüttelnd, im tiefsten Herzen betrübt, seiner Urlaubsfreuden schon fast verlustig, blickt er auf die friedlich hereinrollende Flut, in der die ungefangenen Fische munter springen. „Und dann,“, sagt er, aber wieder verschlägt ihm die Erregung die Sprache. Der Fischer klopft ihm auf den Rücken, wie einem Kind, das sich verschluckt hat. „Was dann?“ fragt er leise.
„Dann“, sagt der Fremde mit stiller Begeisterung, „dann können Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen – und auf das herrliche Meer blicken.“
„Aber das tu ich ja schon jetzt“, sagt der Fischer...

Heinrich Böll (Erzählungen 1950-1970; Köln)

zum 6. April 2020

Rückenstärkung

Ich stärke mich

an meiner LEBENDIGKEIT
mit ihren wechselnden Gefühlsfarben

an meinem UNTERWEGSSEIN
mit all seinen Überraschungen

an meiner LEBENSLUST
mit ihrer ungeheuren Kraft

an meinen IDEEN und FANTASIEN
die aus meiner inneren Quelle fließen

an meiner INTUITION
die so geheimnisvoll und gut für mich ist

an meiner LEBENSKRAFT
die jeden Tag aus neue geboren wird

an meiner HOFFNUNG und FREUDE
die mich oftmals vorwärts tragen

an meinen BEDÜRFNISSEN
die mir den Weg weisen zu dem
was gut und sinnvoll für mich ist

an meinen IRRTÜMERN
die mich immer wieder zu mir zurückführen

ich versichere mich
mir selbst

stärke mir
den Rücken

RÜCKENSTÄRKUNG

Petra Diekneike
(Wir Frauen in der Kirche. Nachrichten des nordelbischen Frauenwerkes, Dez. 1995, S. 9)

zum 5. April 2020

In schweren Tagen

In schweren Tagen
Kraft finden aus
guten Erlebnissen

in Trauer und Leid
Nähe spüren
in Menschen, die da sind,
auch mit ihren Gedanken

auf unbekannten Wegen
sich erinnern an frühere
Überraschungen
hinter der nächsten Kurve

in Einsamkeit und Enttäuschung
Mut finden
sich
trotzdem getrost
einzulassen auf das Neue,

ist die Aufgabe,
vor die uns Gott täglich neu
stellt.

Matthias Kiehn

(zum 4. April 2020)

Das heutige Kalenderblatt

Immer wieder bin ich erstaunt, verwundert, erfreut, überrascht. Schon wieder lese ich im Kalender "Sieben Wochen ohne" für den heutigen Tag einen Text, der treffender nicht sein könnte für die Situation vieler Menschen in dieser Zeit. Verwunderlich eben, denn zusammengetragen wurden die Texte des Kalender vor vielen Monaten, als das aktuelle Corona-Virus noch nirgends auf der Welt Thema war.

Ein Text, der Hoffnung macht in schwerer Zeit:

"Klopfet an, so wird euch aufgetan!"

Mein Unternehmen ging pleite, ich musste Insolvenz anmelden. Als Schuldnerin fiel ich aus dem gesellschaftlichen System, hatte keine Bankkarte mehr und fühlte mich in vielen Situationen hilflos. Im Supermarkt fragte ich, ob ich ausrangiertes Gemüse bekommen konnte - angeblich für den Hasen.
Ich beschloss dann, mit meiner Situation offen umzugehen, verfasste einen Artikel und schickte ihn an 728 Journalisten, deren Adressen ich recherchiert hatte. Manche veröffentlichten den Beitrag - und ich erhielt mehr als 1000 Dankesbriefe von Menschen, die selbst durch eine Insolvenz gegangen waren und von Menschen, die einen Angehörigen in der Situation durch Suizid verloren hatten.
Heute bin ich schuldenfrei und berate andere Schuldner.
Mir geht es besser als vor der Insolvenz. Ich hätte mir das nicht ausgesucht, aber ich fühle mich bereichert.
Vor allem habe ich die Angst vor dem Verlieren verloren.
Deshalb schreibe ich auf meine Visitenkarten auch heute noch "Pleitier". Ein Banker hat sehr viel Geld, ein Privatier viel Zeit - ein Pleitier aber sehr viel Erfahrung"

ANNE KOARK, Unternehmerin

(aus dem Kalender 7 Wochen ohne zum 3. April 2020)

Leben


Ich falle nicht aus Gottes Hand.
Ich halte mich.
Ich bleibe fest.
Wann immer mich das Leben fand
Und würgte mich.
Ein Rest in mir blieb ungerührt.
Verführt
vom Leben, lebe ich.
Und wirfts mich:
Ich erhebe mich.

Eva Strittmatter

(Bild: Claude Monet: Mohnblumen; 1873; Öl auf Leinwand; 50 x 65 cm, Paris, Musée d´Orsay)

zum 2. April 2020

Iulian Urban, 38, Arzt aus der Lombardei

„Niemals, auch nicht in dunkelsten Albträumen, hätte ich mir vorgestellt, zu erleben, was hier in unserem Krankenhaus seit drei Woche vor sich geht. Der Fluss dieses Albtraums wird immer nur größer. Zuerst kamen einige Infizierte, dann Dutzende, dann Hunderte, und jetzt sind wir nicht mehr zuerst Ärzte, nein, wie sind zu Sortierern am Band geworden. Wir entscheiden, wer leben und wer nach Hause geschickt werden soll, um zu sterben.

Bis vor zwei Wochen waren meine Kollegen und ich Atheisten. Es war völlig normal, dass wir es waren, die Wissenschaft schloss für mich die Existenz Gottes aus. Ich habe immer darüber gelächelt, dass meine Eltern in die Kirche gingen.

Vor neun Tagen kam ein 75 Jahre alter Priester zu uns. Er war ein freundlicher Mann, hatte ernsthafte Atemprobleme, brachte aber seine Bibel mit. Es beeindruckte uns, dass er sie den anderen vorlas und den Sterbenden die Hand hielt.

Wir waren alle zu müde, entmutigt, psychisch und physisch fertig, um ihm zuzuhören. Jetzt aber müssen wir es zugeben: Wir Menschen sind an unsere Grenzen gekommen. Wir sind erschöpft, wir haben zwei Kollegen, die gestorben sind, andere von uns wurden infiziert. Wir müssen erkennen, dass wir Gott brauchen. Wir bitten ihn nun um Hilfe, wenn wir ein paar freue Minuten haben. Wir reden miteinander und können es noch nicht glauben, dass wir als Atheisten jetzt jeden Tag auf der Suche nach Frieden sind. Dass wir den Herrn bitten, uns zu helfen, uns Kraft zu schenken, damit wir uns um die Kranken kümmern.

Gestern ist der 75-jährige Priester gestorben. Obwohl es in unserem Krankenhaus innerhalb von drei Wochen über 120 Todesfälle gab du wir alle erschöpft und verstört sind, hat es dieser Priester trotzdem geschafft, uns einen FRIEDEN zu bringen, den wir nicht mehr zu finden hofften.

Der Hirte ging zum Herrn, und bald werden wir ihm auch folgen, wenn das hier so weitergeht. Ich war seit sechs Tagen nicht mehr zu Hause, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal gegessen habe. Ich erkenne meine Wertlosigkeit auf dieser Erde an und möchte meinen letzten Atemzug erst machen, nachdem ich anderen geholfen habe. Ich bin froh, zu Gott zurückgekehrt zu sein, während ich vom Leiden und Tod meiner Mitmenschen umgeben bin.“

aus: Die Zeit (26.03.2020; aus einem Artikel der Redakteure Evelyn Finger und Ulrich Ladurner)

1. April 2020

Frühling

Die Vögel kommen
in ganzen Schwärmen
um dich zu erfreuen.
Das junge Grün sprießt
und der Wald wächst schön
und steht wie eine Braut da,
um dir Freude zu schenken.

Das bist geschaffen. Du bist da.
Du bekommst "heute"
das zum Dasein Nötige.
Du wurdest erschaffen.
Du wurdest Mensch.

Du kannst sehen,
bedenke: Du kannst sehen,
du kannst hören, du kannst
riechen, schmecken, fühlen.

Sören Kierkegaard

(31. März 2020)

Hoffnungsvolle Worte

Jeder Website-Kunde könnte ein erschwingliches Mittel kaufen, das die Muskeln in den Atemwegen entspannt, wenn er sich vorbehaltlos unter aufhält. Sie müssen nicht zum Arzt gehen und ein Rezept erhalten. Belohnen Sie 10 kostenlose Pillen, die ich mit meinem Kauf erworben habe. noasthmanow.com/kaufen-atrovent.html Für Erwachsene die bessere Vielfalt der Inhalationen ist 3-4 mal am Tag Für Kinder sollte die Dosis werden, bis zu 1-2 Inhalationen pro Tag, je nach Alter und schwere der Lungen-Affektionen.
Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde?
Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?

Tageslosung aus dem Buch des Propheten Jeremia Kapitel 8, Vers 4

"Und was soll daran hoffnungsvoll sein?" fragt mich mein Alter Ego. "Das ist ein Allgemeinplatz, dem jeder Mensch zustimmen wird. Ebenso könnte da stehen: `Und immer, immer wieder geht die Sonne auf´. Was hilft mir das, wenn ich zu Hause hocke, nichts zu tun, nicht wissen, wie es weitergeht, erst einmal Kurzarbeit, aber wie lange geht das gut? Und was machen meine Kinder? Schule, Ausbildung, Studium - alles liegt brach. Wie wird es werden? Oder meine alten Eltern. Ich kann sie guten Gewissens nicht einmal besuchen."

"Das stimmt alles. Mich tröstet, dass schon vor über 2.500 Jahren Menschen die Erfahrungen gemacht haben, dass der Karren an die Wand gefahren ist, dass nichts mehr zu gehen scheint. Die Menschen damals hatten die gleichen Sehnsüchte danach, dass alles wieder gut werden würde, am liebsten so, wie es ´mal war.

Aber es wird nie wieder so, wie es war. Schon damals haben die Menschen aus den Katastrophen lernen müssen. Und sie hatten die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, wieder aufzustehen, sich wieder zu sortieren, damit sie wieder zurecht kamen.

Wir sind nicht allein, wir sind nicht die ersten, die eine Zeit der Unsicherheit durchleben und wir werden hoffentlich nicht die letzten sein. Jetzt gilt es erst einmal auszuhalten, dass wir gefallen sind, in die Irre gelaufen, und zwar alle, die ganze Menschheit, und wir sind noch dabei. Schuldzuweisungen, Besserwisserei helfen mir nicht weiter, sondern Demut und Vertrauen in die, die für uns Verantwortung übernehmen, auch wenn die Entscheidungen unbequem sind, uns alle etwas kosten.

Die Behauptungen von der Wende zum Guten ohne Kosten (so in den letzten Jahren im Blick auf die Klimakrise, die nicht durch das Corona-Virus stirbt) hat sich spätestens jetzt für uns als als Mär erwiesen.

Ich aber will wieder aufstehen, ich will einen sinnvollen Weg suchen, der ins Leben führt.

Matthias Kiehn (30. März 2020)

(Öffnet externen Link in neuem FensterWer mag, möge sich das zitierte Lied von und mit Udo Jürgens hier ansehen und anhören.)

Nach der Krise

„Wir Menschen können nur zu uns kommen, wenn wir in der Kommunikation zueinander finden.“

Diese Gedanken, angelehnt an Worte Karl Jaspers, bewegen mich im Blick auf das, was vor uns liegt. Wie wird es werden, wenn die akute Krise vorbei ist?

Karl Jaspers schreibt:
„Wir wollen lernen, miteinander zu reden. Das heißt, wir wollen nicht nur unsere Meinung wiederholen, sondern hören, was der andere denkt. Wir wollen nicht nur behaupten, sondern im Zusammenhang nachdenken, auf Gründe hören, bereit bleiben, zu neuer Einsicht kommen. Wir wollen uns innerlich versuchsweise auf den Standpunkt des anderen stellen. Ja, wir wollen das uns Widersprechende geradezu aufsuchen. Das Ergreifen des Gemeinsamen im Widersprechenden ist wichtiger als die voreilige Fixierung von sich ausschließenden Standpunkten, mit denen man die Unterhaltung als aussichtslos beendet.“

(Karl Jaspers: Die Schuldfrage. Von der politischen Haftung Deutschlands. München, Berlin 2012, Angelehnte Gedanken nach S. 15, Zitat S. 8)

Matthias Kiehn, 29. März 2020

Photo by Shane Rounce on Unsplash

Heute morgen beim Duschen...

Kennen Sie das auch: Unter der Dusche singen. Da klingt es besonders gut - und niemand stört einen dabei (wenn die anderen noch schlafen, dusche ich unten, dann hören sie mich nicht). Paul Simon soll seinen Welthit "Sound of silence" im Badezimmer seiner Mutter komponiert haben, weil dort die Akkustik so gut war. Okay, ich bin nicht Paul Simon, aber ich singe auch gern und im Bad klingt es wirklich gut.

Heute morgen war mir nach einem neueren Choral: "Ich möcht´das einer mit mir geht." Warum mir gerade dieses Lied durch den Kopf ging, habe ich keine Ahnung. Unter der Dusche ist es bei mir mit Liedern wie mit dem Wasser aus der Brause: Es kommt über mich. Also habe ich gesungen:

1. Ich möcht’, das einer mit mir geht, / der’s Leben kennt, der mich versteht, / der mich zu allen Zeiten kann geleiten. / Ich möcht’, dass einer mit mir geht.

2. Ich wart’, dass einer mit mir geht, / der auch im Schweren zu mir steht, / der in den dunklen Stunden mir verbunden. / Ich wart’, dass einer mit mir geht.

3. Es heißt, dass einer mit mir geht, / der’s Leben kennt, der mich versteht, / der mich zu allen Zeiten kann geleiten. / Es heißt, dass einer mit mir geht.

4. Sie nennen ihn den Herren Christ, / der durch den Tod gegangen ist; / er will durch Leid und Freuden mich geleiten. / Ich möcht’, dass er auch mit mir geht.
(Evangelisches Gesangbuch Nr. 209; Text und Melodie: Hanns Köbler 1964)

Ja, ich gebe zu: Vorhin war ich nicht so textsicher wie jetzt am PC, mit dem Gesangbuch vor der Nase. Aber die Melodie, die kenne ich allemal, und wenn ich mit den Strophen durcheinander gerate - macht nichts! Hört ja keiner unter der Dusche, außer Gott. Und Gott wird mich auch so verstehen, da bin ich gewiss.

Matthias Kiehn (28. März 2020)

(Leitet Herunterladen der Datei einWer die Melodie nicht kennt, findet HIER eine mp3-Fassung, nicht besonders schön, eher originell, etwa so, wie mein morgendlicher Gesang unter der Dusche)

Aufräumen und wiederentdecken

Ich habe jetzt mal Zeit, um aufzuräumen und entdecke Altes neu.

Vor einigen Jahren waren erst meine Tochter, dann später mein Sohn für längere Zeit im Ausland. Damals habe ich ihnen jeden Tag eine Email geschickt. Darin ein kurzes Wort, ein Gedanke, eine kleine Geschichte, die ich in verschiedensten Büchern, Heften, Karten gefunden und gesammelt hatte. Mehr nicht. Es waren nicht meine Worte, meine Gedanken. Ich dachte mehr daran, meinen Kindern jeden Tag zu zeigen: Ich denke an Dich. Nicht aufdringlich, nicht mit Fragen: Was machst Du gerade? Oder gar mit Ratschlägen: Wenn Du Dir ein Auto ausleihst, passt bloß auf...

Sie waren auf sich gestellt und sollten das auch bleiben. Ich war zu Hause und hätte ohnehin an Krankheiten, Unfällen, Diebstahl oder was auch immer man sich ausmalt, was denn so alles Schlimmes passieren kann, ich hätte daran ohnehin nichts ändern können. Das, was ich meinen Kindern geben konnte, war: Du bist zwar weit weg, am anderen Ende der Welt, aber ich bin mit (m)einem Gedanken bei Dir.

Heute, beim Aufräumen meiner Emails, bin ich wieder auf diese täglichen Nachrichten gestoßen. Ich hatte sie in einem extra Ordnern aufgehoben. Ich werde gleich meinen Kindern eine Nachricht schicken. Wieder nur eine kleine Geschichte. Ich weiß auch schon, welche.

Die Nachricht von damals für heute - es war lustiger Weise der gleiche Wochentag - war folgende:

»Sie haben auch nichts.«

Vor mehreren Wochen hörte ich von einer Familie, die schon seit einigen Tagen nichts mehr zu essen hatte; es war eine Hindu-Familie. So nahm ich etwas Reis und suchte sie auf.
Ehe ich mich versah, hatte die Mutter den Reis in zwei Hälften geteilt und die eine Hälfte der Nachbarfamilie an die nächste Tür gebracht, wo Muslime wohnten.
Daraufhin fragte ich sie: »Wieviel wird denn noch für euch alle bleiben? Ihr seid zu zehnt für dieses bißchen Reis.«
Die Mutter antwortete: »Sie haben auch nichts zu essen.«

Mutter Teresa

Matthias Kiehn (27. März 2020)

Wer sich alles für uns müht...


Irgendwo habe ich gestern gelesen, dass uns jetzt bewusst wird, wer sich alles um uns müht, für uns da ist, uns zur Hand geht, ohne, dass wir es normalerweise überhaupt wahrnehmen.
Die fleißigen und verlässlichen Hände in den Krankenhäusern, Heimen, Rettungs- und Sanitätsdiensten sind uns allen derzeit mehr bewusst.
Aber da ist auch der Bauhof-Mitarbeiter, der in der Gluthitze des Gasbrenners mitten auf der Straße steht, um die Löcher im Asphalt zu schließen, und sich dabei ständiger Gefahr aussetzt, über den Haufen gefahren zu werden.
Da ist die Spargelstecherin aus Rumänien, die ich zumindest in diesem Jahr wohl nicht kennen lernen werde, deren Hände für „meinen Spargel“ sonst schon nach kurzer Zeit spröde waren und brannten vom permanenten Kontakt mit der feuchten Erde, die jetzt nicht weiß, wie sie ihre Familie durchbringen soll, weil Rumänien lange nicht so gut aufgestellt ist, wie unser Land.
Die freundliche Postbotin, die mir Briefe bringt und meine an anderer Stelle verteilt.
Auch - und das ist mir besonders wichtig - die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Friedhöfen und in den Bestattungsinstituten, die ihre eigenen Sorgen beiseiteschieben, um zuverlässig dafür bereitzustehen, dass wir in unserer Trauer um unsere Lieben diese trotz aller Vorsichtsmaßnahmen noch einigermaßen erträglich bestatten können.

Ihnen allen gilt heute mein Dank.

Ihnen allen wünsche ich Gottes Segen und die Kraft, den Dienst weiter so verantwortungsbewusst wahrnehmen zu können.

Matthias Kiehn (26. März 2020)

(Photo by Kateryna Tyskhul on Unsplash)

Die Poesie des Alltags

Wenn mein kleiner Sohn,
nach seinem Berufswunsch gefragt,
versonnen aus dem Fenster schaut
und antwortet:
"Ich glaube, ich werde Losverkäufer.
Sorglosverkäufer."

Ich stelle mich schon mal an.

Susanne Riedel, Berlin (aus: Was mein Leben reicher macht; 2014)

Mittwoch, 25. März 2020

"Morning has broken"

Cat Stevens hat 1971 dieses Lied veröffentlicht (Öffnet externen Link in neuem FensterYouTube-Video HIER). Dass es sich dabei um die Melodie eines alten gälischen Volksliedes handelt, war mir damals als Jugendlicher nicht bewusst. Auch, dass der Text ein Lobpreis Gottes war, nicht, denn ich konnte noch kein Englisch. Inzwischen hat das Lied längst seinen Platz im Evangelischen Gesangbuch gefunden und in unseren Gottesdiensten:

"Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang. Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt. Dank für die Lieder, dank für den Morgen, Dank für das Wort, dem beides entspringt."

Es sprießt draußen im strahlenden Sonnenschein unter einem blauen Himmelszeit. Menschen gehen spazieren durch Wald und Flut, deutlich mehr als sonst. Mit manchen komme ich - auf Abstand - ins Gespräch. Es sind Menschen, die ich nicht kenne, vielleicht auch nicht wieder treffen werde. Das ist gut.

Aber ich weiß auch: Viele haben Sorgen. Wie wird es werden? Homeoffice - das geht eine Zeit lang, bei mir recht gut, denn meine Kinder sind groß. Aber wie geht es denen, die nun auch noch die Kinder neben sich haben? Wie geht es denen, die von einer Kündigung bedroht sind, die keine Aufträge mehr bekommen, deren Betten, Stühle und Tische leer bleiben, weil Gäste fehlen? Wie denen, deren Scheren ordentlich aufgereiht neben den Waschbecken liegen, statt die eine oder andere Haarpracht zurechtzustutzen?

Ändern kann ich an der augenblicklichen Situation wenig. Aber vertrauen kann ich auf die politischen Entscheidungsträger, dass sie weiterhin verantwortungsbewusst agieren. Zutrauen kann ich setzen in all die, die helfen in den Krankenhäusern, Praxen, Heimen, im Sanitäts- und Rettungsdienst, in der nachbarschaftlichen Hilfe. Gott Danke sagen dafür, dass dieser neue Morgen so wunderbar leuchtet, ihnen und mir:

"Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet. So lag auf erstem Gras erster Tau. Dank für die Spuren Gottes im Garten, grünende Frische, vollkommnes Blau.

Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen, Glanz der zu mir aus Eden aufbricht! Dank überschwenglich, Dank Gott am Morgen! Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht."
(T: Jürgen Henkys [1987] nach dem englischen "Morning has broken" von Eleanor Farjeon, vor 1933; M: Gälisches Volkslied vor 1900, geistlich vor 1933)

Matthias Kiehn (zum 24. März 2020)

Ungewohnter Montag


Nicht vom Wecker geweckt werden - passiert außer im Urlaub sonst höchstens ´mal am Sonnabend.

In Ruhe frühstücken - kein Termin mahnt zur Eile.

Eine Karte an einen Konfirmanden schreiben - habe ich bisher kaum getan.

Ein alter Freund rief an - wir teilen das gleiche Los, denn wir können uns nicht umarmen.

"Ich hoffe auf Licht, und es kam Finsternis" - den Text im Kalender 7-Wochen-ohne von heute gelesen:
Wer hat solche Ängste erfunden? / Ich werfe die Stirne von Ost nach West / und lasse die Augäpfel rollen / soweit sie nur können. / Aber es tritt keine Linderung ein / meine Haut ist überall Hölle geworden / während das Herz vor Kälte klirrt / und die Zunge sich tapfer verknotet / dass kein Schrei bis zu Dir kommt. (Christine Lavant, Schriftstellerin)
Und gedacht:
Es ist schon ein Wunder, dass Worte, die vor Monaten für die heutige Kalenderseite herausgesucht wurden, so treffend sein können. Denn auch, wenn ich gerade gar nicht schreie, weil es mir gut geht, wird es anderen ganz anders gehen. An sie zu denken, dass will ich tun in meinem Gebet. Ich will den Schrei hören und weitergeben, indem ich ihn Gott ans Herz lege.

Zum Geburtstag angerufen - aber ich habe mich geirrt und einen Monat zu früh gratuliert; es war dennoch ein fröhliches Gespräch, das mich dankbar sein lässt.

Im Wohnzimmer sitzen und ein Buch über die Zeit nach 1945 lesen - interessant, dass sich Manches wiederholt, wenn auch aus anderen Gründen. Merken, dass ich, obwohl erst danach geboren, dennoch auch durch diese Zeit geprägt wurde (Harald Jähner: Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945 - 1955).

Abwarten, was heute noch geschieht - was sonst nicht so gut klappt: In den Himmel schauen und den Tag auf mich zukommen lassen.

Matthias Kiehn (zum 23. März 2020)

Musik zur Freude trotz manchem Leide


"Birdsong"

Öffnet externen Link in neuem FensterSie finden hier ein YouTube-Musikvideo. Mir bereitet es Freude heute, am Sonntag, 22. März 2020.

(Anklicken, dann öffnet sich ein neues Fenster. Nicht vergessen: Lautsprecher einschalten, entspannen und nicht die Augen schließen!)

Matthias Kiehn

Heitere Gedanken in schweren Zeiten
Gedanken zur Tageslosung Sonnabend, 21. März 2020

„Der Herr spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke.“
(Tageslosung für Sonnabend, 21. März 2020 aus dem 3. Buch Mose/Levitikus Kapitel 26, Vers 6)

Frieden geben im Land, geht es derzeit darum? Kriege und gewaltsame Konflikte gehen weiter, doch ich bekomme davon kaum noch etwas mit. Sie herrschen ja auch nicht bei uns, sondern in Syrien, Afghanistan... und beherrschen zur Zeit nicht mehr die aktuellen Meldungen. Dennoch: Frieden im Land will Gott geben. Das ist nach meinem Verständnis nicht etwas, das von außen kommt, sondern etwas, was ich machen muss, wofür ich verantwortlich bin. Gott gibt mir die Kraft und die Möglichkeit, Frieden im eigenen Herzen zu suchen und zu finden. Dann wächst der Friede auch um mich herum. Dann weitet sich mein Herz und ich sehe die Not anderer, nehme den Unfrieden in ihren Herzen wahr. Und ich kann bei mir schauen, was ich habe, was ich brauche und daraus auf andere schließen und verstehen: Was ich brauche, brauchen andere auch, und sei es die Toilettenpapierrolle.

Ich kaufe zur Zeit nur soviel ein, wie ich sonst auch einkaufe. Wenn ich im Supermarkt jemanden sehe, der seinen Einkaufswagen überfüllt hat, spreche ich diesen Menschen vorsichtig an, natürlich mit mindestens zwei Metern Abstand. Ich frage freundlich: „Oh, haben Sie Geburtstag und erwarten viele Gäste? Dann achten Sie darauf, dass sich alle gründlich die Hände waschen. Haben Sie auch an Desinfektionsmittel gedacht? Ach, und vergessen Sie nicht: Wir sollen uns auch privat nicht mehr in großer Runde treffen. Meine Frau und ich waren morgen mit meinem Sohn verabredet. Er wollte mit seiner neue Freundin kommen, die wir noch nicht kennen gelernt haben. Aber wissen Sie, das Treffen haben wir auf NCZ verschoben!“ Und wenn dieser Mensch mich dann irritiert fragt: „Worauf haben Sie das verschoben?“, dann kann ich fröhlich antworten: „Auf die Nach-Corona-Zeit!“

Frieden fängt für mich nicht nur an, wenn Waffen schweigen und Gewalt unterbleibt. Frieden im Herzen hat etwas mit Freundlichkeit und Frohsinn zu tun. Wo gelacht wird, wo Scherze gemacht werden, da breitet sich auch Frieden aus unter uns. Ich vertraue auch darauf, dass wir einander besser verstehen, wenn wir voneinander erzählen, egal, ob wir uns kennen oder nicht. So mache ich oft mit Verkäuferinnen an der Kasse einen Scherz, etwa: „Was meinen Sie, muss ich das bezahlen oder finden Sie nicht auch, dass der Herr da hinten das heute für mich übernimmt?“ Und schon geht es ihr für einen Moment besser.

Raube ich damit der Verkäuferin oder dem „Herrn da hinten“ den Schlaf? Schrecke ich jemanden auf? Wohl eher nicht. Eher kann es sein, dass die Kassiererin später Ihrer Kollegin davon erzählt und beide über den „leicht verrückten Kunden“ lachen. Und der „Herr da hinten“ wird zu Hause seiner Freundin sagen, dass er es zwar überlegt hat, dann aber doch nicht für mich bezahlt hat. Die Freundin wird dann fragen: „Wovon redest Du?“ Berichtet er von mir, wird sie bestimmt den Kopf schütteln, aber vielleicht beim nächsten Einkauf auch auf eine so merkwürdige Idee kommen und einfach einmal mit jemandem scherzen. Denn das tut nicht weh und schafft Frieden unter uns.

Und wenn ich ehrlich bin: Nach einem lustigen Film schlafe ich wunderbar friedlich ein und keine bösen Träume schrecken mich nachts auf.

„Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.“
(Lehrwort zur Tageslosung für Sonnabend, 21. März 2020 aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi Kapitel 4, Vers 7)

Bleiben Sie behütet und seien Sie gesegnet

Matthias Kiehn

(P.S. zum Cartoon: Tiere dürfen das zur Zeit!)

(M)eine Passionszeit
Meditation

Verzicht auf Vertrautes
Fasten sozialer Kontakte
Verordnete Stille
Ruhe um mich herum
Unruhe in mir

Unsicher
Überrascht
Die Tage: So anders, so ohne Fest und Feier
Ohne Begegnung
Und doch voller Güte
Bereit zur Hilfe, so viele
Gemeinsam
Stark. Füreinander. Besonnen.
Durch diese Zeit

Bewegt, berührt
Von Nachrichten, Unsicherheit,
Krisenstimmung
Belastung
Grenzerfahrung
Betroffen, getroffen
Von Trauer und Tod
Tränen und Trost
Wort und Erinnerung
Ein Lied
Sie alle tragen
Alle, die Lasten tragen
Berührt
Gerührt
Von ungeahnter Nähe in der Distanz
Was wird werden
Wie geht es weiter
Wann

Über allem scheint die Frühlingssonne
Ich erwache am Morgen
Dankbar
Höre die Vögel singen
Sorgt euch nicht, klingt es in mir
Tag für Tag
Jeden Morgen neu
Ein Gedanke
Ein Gebet
Ein Gesang
So wenig
So viel

Die Karwoche hat begonnen
Der Weg, Jahr für Jahr so vertraut
Gemeinsam
Und nun – zusammen allein
Wir gehen
Vom Dunkel ins Licht
Schwere Schritte
Unsicher
Leise
Kreuz und Krise
Abschied und Ende
Warten

Doch wie die Sonne aufgeht
Morgen für Morgen
So ist gewiss:
Der Herr ist auferstanden
Er ist wahrhaftig auferstanden
Uns entgegen kommt er
Vom Kreuz gezeichnet
Hinab
Zurück
Ins Leben
Hoffnung
Leuchten
Froh!
Ostern.

Gesa Paschen