Die neuen Glocken

Die neuen Bronzeglocken
Die neuen Bronzeglocken

Im Turm der St. Fabian- und St. Sebastian-Kirche zu Rensefeld erklangen bis zum 30. August 2015 drei Eisenhartgussglocken. Zwei davon - die beiden großen - wurden 1921 als Ersatz für die 1917 für Kriegszwecke im 1. Weltkrieg konfiszierten und für die Herstellung von Kanonen eingeschmolzenen Glocken gegossen. 1962 kam dann die dritte, kleinste Glocke hinzu.

2003 erfuhr der Kirchenvorstand durch einen Glockensachverständigen, dass die Lebensdauer von Eisenglocken begrenzt sei, die durchschnittliche Lebensdauer von Eisenglocken gab er mit etwa 80 Jahren an.

Daraufhin hat der Kirchenvorstand beschlossen, dass - durch Spenden finanziert - bis spätestens zum 850ten Jubiläum unserer Kirche im Jahr 2027 die alten Eisenglocken durch neue aus Bronze ersetzt werden sollen. Seitdem wurden Spenden gesammelt und so manche Kollekte für die Erneuerung der Glocken bestimmt. Groß war die Hoffnung, dass wir uns bereits vor dem Jahr 2027 über einen neuen, schöneren Klang der Glocken erfreuen können.

Nachdem die Kostenvoranschläge für das Gießen der Glocken, die Erstellung des Glockenstuhls und den Einbau des gesamten Läutewerkes eingegangen waren, wurde entschieden, dass die Glocken- und Kunstgießerei Rincker GmbH & Co. aus Sinn (bei Herborn) unsere neuen Glocken gießen sollte.

Der Glockenguss erfolgte am Freitag, 31. Juli 2015. Etwa 30 Rensefelder Gemeindeglieder waren beim Glockenguss dabei. Es war ein ergreifendes Erlebnis.

Am 18. August wurde ein Gerüst vor dem Kirchturm aufgebaut, nun konnten die Maurer am 20. August beginnen, die eine Schallluke im Turm zu erweitern. Sie musste so groß sein, dass die große alte Glocke durch dieses Loch hinausgebracht werden konnte, dabei musste dafür Sorge getragen werden, dass der Bogen erhalten bleibt. Leider konnten beim Ausbau auf der linken Seite kaum alte Steine erhalten bleiben, da an dieser Stelle Betonmörtel aus den sechziger Jahren gefunden wurde. Hier wurde die Luke vermutlich 1963 erweitert,als die dritte Eisenhartgussglocke in den Turm eingebracht wurde. So sind jetzt von außen doch viele neue Steine zu sehen.

Ab 1. September begannen dann die Arbeiten im Turm unserer Kirche, die alten Glocken erklangen am Sonntag, 30. August, das letzte Mal. Dann wurde im Kirchturm abgebaut und es gab zunächst kein Geläut.

Am Montag, 31. August, wurden die neuen Glocken angeliefert und mit einem Kran vor der Kirche abgesetzt. Dann wurde ein Zelt darüber gestellt, das mit einer mobilen Objektschutzanlage des Lübecker Wachunternehmens gesichert war. Danach begann die Glockenwoche. Von Dienstag bis Sonnabend gab es jeweils von 15 - 17 Uhr eine Besichtigungszeit und viele Gemeindeglieder haben die Gelegenheit wahrgenommen, die vier neuen Bronzeglocken zu sehen, bevor sie in den Kirchturm gebracht wurden. Unzählige Kinderhände haben die silbrig erscheinenden Glocken berührt, Pastor Kiehn erzählteden Kindern der Grundschule Bad Schwartau, Pastor Kutsche den Kindern der Schule Am Papenmoor viel Wissenswertes über Glocken. Am Dienstag gab es um 19 Uhr in der Kirche den Vortrag "Der Klang des Abendlandes" von Wilfried Tilles. An den folgenden Abenden gab es jeweils um 19 Uhr eine Glockenandacht. Mittwoch zur ersten Glocke "Martyria", es musizierte die RenseBand. Donnerstag zur zweiten Glocke "Leiturgia". Es musizierte der Rensefelder Posaunenchor. Freitag zur dritten Glocke "Diakonia". Es musizierte die Rensefelder St. Fabian-Kantorei. Samstag zur vierten Glocke "Koinonia".

Am Montag, 7. September, war es dann so weit, der Glockenwechsel stand bevor. Um 8 Uhr war der Schwerlastkran gekommen, der die alten Glocken aus der Kirche holen und die neuen hineinbringen sollte. Das NDR-Team vom Schleswig-Holstein-Magazin begleitet diese Aktion den ganzen Tag. Das Schwierigste war, die große 2,8 t schwere Glocke aus dem Turm zu holen. Die Balken, die den Flaschenzug halten mussten, als die Glocke innerhalb des Turms bewegt wurde, ächzten beträchtlich. Aber es ging alles gut und der Kranfahrer vollbrachte eine Meisterleistung, da doch an jeder Seite der Öffnung nur wenige Zentimeter Platz waren, als diese Glocke hindurch schwebte. Danach wurden die beiden kleineren Glocken und die Teile des Metall-Glockenstuhles herunter geholt. Dann gab es eine Mittagspause und um 14 Uhr wurden dann die neuen Glocken nacheinander in den Turm gehoben. Zunächst hob der Kran sie etwas an, dann wurden sie dreimal angeschlagen und mit einem Geleitwort nach oben in den Turm gebracht. Viele Menschen haben diese Aktion vor der Kirche bei strahlendem Sonnenschein verfolgt und es brandete jubelnder Applaus auf, als auch die letzte Glocke durch die Öffnung in den Turm entschwunden war.

Mögen diese Glocken zum Frieden rufen, möge ihr Klang die Menschen erinnern, Zeugnis abzulegen für Jesus Christus, einzuladen zum Gottesdienst, dem Nächsten zu dienen und Gemeinschaft im Glauben zu halten.

Am (Ernte)Danksonntag, 4. Oktober 2015, erklang das Geläut im Turm das erste Mal. Seitdem erfreuen sich viele daran.

Herzlichen Dank schon einmal an dieser Stelle allen, die mit Ihrer Spende dazu beigetragen haben.

Wer sich mit dem Thema "Glocken" näher beschäfigen möchte, kann HIER klicken. Dann öffnet sich die Seite bei Wikipedia. Eine "Kleine Glockenkunde" findet sich auch HIER (es öffnet sich ebenfalls ein eigenes Fenster. Für die Inhalte der Seiten sind wir nicht verantwortlich).

 

Wer Interesse hat, sich den Werdegang der Glocken vom Gießen bis zum ersten Läuten zum Gottesdienst anzusehen, der ist eingeladen, folgenden Film von Robert Kiehn anzusehen:

 

Das alte und das neue Geläut der Rensefelder Kirche

Hier gibt es etwas ganz besonderes: Sie können sich den Unterschied der Geläute anhören. 

Die Tonaufnahmen stammen von Sebastian Schritt (Trier) und wurden am 4. Juli 2016 (neues Bronze-Geläut) bzw. 29. Mai 2009 (altes Eisen-Geläut) aufgenommen.

Das alte Geläut (drei Eisenglocken)

Das neue Geläut (vier Bronzeglocken)

 

Und hier noch einmal zur Erinnerung ein Bild der alten eisernen Glocken im alten Glockenstuhl:

Die alten Glocken im alten Glockenstuhl im Turm der St. Fabian- und St. Sebastian-Kirche zu Rensefeld (Foto: M.Kiehn)
Die alten Glocken im alten Glockenstuhl im Turm der St. Fabian- und St. Sebastian-Kirche zu Rensefeld (Foto: M.Kiehn)

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