Asylarbeit

St. Martin – Zufluchtsort für Christen aus dem Irak, Iran und aus Armenien

„Wisst Ihr, dass Ihr im Paradies lebt?“

Wie viele Länder weltweit versagen ihren Bürgern das Recht auf freie Religionswahl und – ausübung? Werden es nicht immer mehr? Zu Zeiten, als die Travekaserne noch „Erstaufnahmestelle in Schleswig-Holstein für AsylbewerberInnen“ war, kam unsere Gemeinde mit Menschen in Kontakt, die unfreiwillig ihre Heimat verlassen hatten müssen, weil sie wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt wurden oder durch kriegerische Konflikte vertrieben worden waren.

Die meisten hatten schmerzliche Verlusterfahrungen gemacht, traumatische Erlebnisse und einen abenteuerlichen Fluchtweg hinter sich: wie Anahit Asadur, eine orthodoxe Christin, die wir 2006 als Gottesdienstbesucherin  kennenlernten. Die Irakerin aus Khanik am Tigris nahe der syrisch-türkischen Grenze hat fast ihre gesamte Familie bei Übergriffen kurdischer Islamisten auf Christen verloren. Mit wachsender Sorge hat die Evangelische Kirche in Deutschland die Menschenrechtsverletzungen an ChristInnen im Irak seit 2003 verfolgt und ihre unbürokratische Aufnahme bei uns forciert.

Bereits in der Flüchtlingsunterkunft wurde die Irakerin von vielen ehrfürchtig  „Mutter Anahit“ genannt, gab sie doch durch ihre tiefe Frömmigkeit und Warmherzigkeit vielen der dort lebenden Asylbewerbern seelischen Beistand und Trost.

Fern ihrer Heimat hat Frau Asadur nun ein Zuhause in der Cleverbrücker Gemeinde gefunden. Wir lernten schnell ihre orientalische Kochkunst, ihre Hilfsbereitschaft und ihren Humor schätzen. Sie ist in das Mittagstisch-Team hineingewachsen, sie trägt viele, die Kummer haben, mit ihrem Gebet. Heilig ist ihr die St. Martinskirche. Dort findet sie Ruhe, Kraft, Trost. Wie eine Kirchenwächterin sorgt sie sich um die Schönheit und Pflege der Kirche und des Geländes, versucht die Jugendlichen Ehrfurcht zu lehren vor dem, was anderen heilig ist. Ihr Glaube leuchtet aus ihrem Herzen – trotz der tiefen Wunden, die ihr das Schicksal zugefügt hat. Dankbar dafür, hier so sicher und geborgen leben zu können, entfährt ihr mitunter die leise Frage: „Wisst Ihr eigentlich, dass Ihr im Paradies lebt?“ Ihre Rückfrage macht uns bewußt, in welchem Wohlstand und in welcher Freiheit wir leben – und wie gut Gott es uns hier gehen läßt.

„Ihr seid meine Familie!“ Diesen Satz hören wir nicht nur von ihr, sondern auch von Iman Mahin Entezari, der aus einer gebildeten Familie in Teheran stammt. Der Iraner kam als Informatikstudent in Indien mit dem christlichen Glauben in Berührung, wurde bei Rückkehr in sein Land verhaftet. Er nutzte die Zeit, bevor ihm der Prozess wegen Verbreitung christlicher Schriften gemacht werden sollte, zur Flucht nach Deutschland. Ihm hätte ein Todesurteil drohen können.

Iman Mahin Entezari, der seit der islamistischen Diktatur in seiner Heimat keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr für sich sah, verließ schweren Herzens seine Familie und Freunde. Trotz vorhandener Gymnasial- und Studienabschlüsse und Tätigkeit als Bauleiter im Iran muss er hier von vorn anfangen: nach Erwerb des Fachabiturs macht der 32-Jährige, der fließend Deutsch spricht, nun eine Ausbildung als Bauzeichner, um eines Tages Architekt werden zu können. Nah der Kirche wohnend, teilt er sich mit Jutta Haus und Elke Kothe den sonntäglichen Küsterdienst. Seine vorbehaltlose Aufnahme in die Martinsgemeinde gibt dem getauften Christen Kraft: “St. Martin ist eine Insel, auf der ich zur Ruhe komme!“ Er wünscht sich die religiöse Toleranz Persiens zurück: „Es gab in unserer Geschichte große jüdische, christliche und armenische Gemeinden, die wunderbar mit den Muslimen zusammengelebt haben.“

Von Frau Heriknas Markarjan wissen wir noch nicht einmal den Geburtsort. Sie wurde aus der Kaukasusregion Bergkarabach vertrieben, um die sich Aserbaidschan und Armenien seit Jahren streiten. Erschöpft kam sie 2005 in Lübeck an. Als armenische Christin fand sie schnell eine Freundin in Anahit Asadur – und Kontakt zum MUM-Team und zur gottesdienstlichen Gemeinde.

Es war ein Schock, als wir erfuhren, dass sie, nachdem sie in ein Übergangslager nach Schackendorf bei Segenberg verlegt worden war, am 19. Juli 2009 tödlich verunglückt war. Ein herannahender Zug hat-te die 57-Jährige erfasst. 

Freunde aus dem Asylantenheim legten damals ihr letztes Geld zusammen, um für eine würdige Erdbestattung zu sorgen. Die armenische Kirche, eine der ältesten christlichen Kirchen, lässt aus religiösen Gründen keine Verbrennung des Leichnams zu. Bei Sozialbegräbnissen ist aber nur ein anonymes Urnengrab vorgesehen. Deshalb sammelte auch unsere Gemeinde im Gottesdienst etliche Kollekten für ihre Grablegung auf dem Segeberger Friedhof. Bis heute pflegen Freunde liebevoll Heriknas Markarjans Grab. Doch eines fehlt noch: der Grabstein. Das Sozialamt, das ich um Beteiligung an den Grabsteinkosten bat, verwies auf Richtlinien: Dieser Antrag hätte binnen eines Jahres nach ihrem Tod von ihren Angehörigen gestellt werden müssen!  Welche Angehörigen?

Der Rensefelder Steinmetz Jörg Stapelfeldt hat ihr Grab besucht. Er würde einen Grabstein aus rötlichem Granit mit ihrem Namen und Lebensdaten anfertigen und verlegen. Er selbst signalisierte eine größere Spende: Dann verbleiben noch 546,15 € (bzw. etwa 1400 € incl. Beetkante).  Wer würde helfen wollen?     

Anne Rahe

 

 

 

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